Veröffentlicht am

06.05.2026

Autor

Fidan Krasniqi

Schallschutz bei Schiebewänden

Laborwert vs. Realität

Auf jedem Datenblatt einer Schiebewand prangt eine grosse Zahl. Rw 38 dB, Rw 45 dB oder bei Premiumsystemen 57 dB. Wer plant, vergleicht diese Werte. Wer entscheidet, vertraut darauf. Sechs Monate nach Inbetriebnahme kommt dann der Anruf, weil im Nachbarraum jedes Wort zu hören ist und vertrauliche Sitzungen längst nicht mehr vertraulich sind. Der Punkt ist: Die Zahl auf dem Datenblatt ist meist korrekt. Sie beschreibt nur etwas anderes, als viele annehmen.

Was Rw eigentlich misst

Der bewertete Schalldämmmass Rw ist eine in der Norm festgelegte Einzahlangabe in Dezibel. Gemessen wird er in einem akkreditierten Prüflabor, also unter idealisierten Bedingungen ohne Anschluss an reale Decken, Böden oder Flankenwände. Eine Schiebewand mit Rw 45 dB hat unter diesen Laborbedingungen tatsächlich 45 dB erreicht. Was dasselbe Element im fertigen Gebäude leistet, ist eine zweite, deutlich anspruchsvollere Frage.

Vom Prüfstand auf die Baustelle: das R'w Problem

Im realen Gebäude wandert Schall nicht nur direkt durch die Schiebewand. Er läuft über Decken, Böden, Anschlussfugen und angrenzende Bauteile. Diese sogenannte Flankenübertragung wird im Labor bewusst ausgeschlossen, in der Praxis aber nicht. Die Bauakustik unterscheidet deshalb zwischen Rw (Laborwert) und R'w (am Bau gemessener Wert). Der Strich kennzeichnet alles, was nach dem Einbau tatsächlich beim Empfänger ankommt.

In der Praxis liegen die beiden Werte bei mobilen Trennwänden typischerweise rund 5 bis 10 Dezibel auseinander. Eine Wand mit Rw 45 dB auf dem Datenblatt liefert auf der Baustelle realistisch zwischen 35 und 40 dB. Klingt nach wenig, ist aber relevant. 10 Dezibel entsprechen einer Verdoppelung der subjektiv wahrgenommenen Lautstärke.

Was 38 dB und 45 dB im Alltag bedeuten

Bei rund 38 dB ist normales Sprechen nebenan deutlich als Sprache erkennbar. Wortinhalt und Tonfall sind oft nachvollziehbar. Vertrauliche Beratungen, sensible Personalgespräche oder konzentrationsintensive Prüfungssituationen sind unter solchen Bedingungen kaum abschirmbar. Bei 45 dB sind Stimmen zwar noch wahrnehmbar, aber meist nicht mehr inhaltlich verständlich. Das ist der Bereich, in dem Sitzungen, Schulungen und Mehrzwecknutzungen akustisch funktionieren, sofern auch Decken, Türanschlüsse und Bodenfugen mitspielen.

Genau hier passiert der häufigste Planungsfehler: Es wird der Mindestlaborwert spezifiziert, der eigentlich am Bau erreicht werden sollte. Wer im fertigen Raum 42 dB braucht, sollte auf dem Datenblatt nicht 42 dB, sondern eher 50 dB lesen.

Was die Schweizer Normen verlangen

Die Norm SIA 181:2020 «Schallschutz im Hochbau» regelt die Anforderungen an Trennbauteile zwischen Nutzungseinheiten und ist seit November 2020 in Kraft. Sie unterscheidet zwischen Mindestanforderungen und erhöhten Anforderungen. Letztere gelten unter anderem für Stockwerkeigentum und neu auch für Einfamilienhäuser bei Aussenlärm. Die Vollzugshilfe von Cercle Bruit zeigt, dass die Anforderungen konsequent als R'w formuliert sind, also als Bauwerte und nicht als Laborwerte.

Parallel definiert die SIA 181/1 Raumakustik die raumakustischen Anforderungen, etwa Nachhallzeit und Sprachverständlichkeit. Beide Normen gehören zusammen. Ein Raum funktioniert akustisch erst dann, wenn die Trennung zum Nachbarraum stimmt und gleichzeitig der eigene Raum nicht hallig ist. Diese Doppelbetrachtung wird besonders relevant in Schulen, Beratungszentren, Bankenfoyers und Mehrzweckräumen.

Worauf es bei einer mobilen Schiebewand wirklich ankommt

Eine schalldämmende Schiebewand ist nur so leistungsfähig wie ihre Anschlüsse. Die akustische Wahrheit liegt in der oberen und unteren Abdichtung, in der Verriegelung der Elemente untereinander und in der Qualität des seitlichen Anschlusses an die feste Bausubstanz. Selbst eine hochwertige Wand mit Rw 54 dB im Labor verliert spürbar Leistung, wenn die Schallnebenwege nicht geklärt sind.

Bei Sager arbeiten wir mit den Hufcor Systemen Typ 100 und Typ 100K, die geprüfte Laborwerte bis 57 dB RwP erreichen. Genauso wichtig ist aber die Planung der Anschlusssituation, weil genau dort entschieden wird, was vom Laborwert auf der Baustelle übrig bleibt. Wer genau plant, rechnet den Sicherheitsabschlag von rund 5 bis 10 dB von Anfang an mit ein und wählt das System eine Klasse höher, als der reine Zielwert vermuten liesse. Wo zusätzlich Nachhall und Sprachverständlichkeit eine Rolle spielen, ergänzen Akustikvorhänge und Akustikpaneele das Konzept sinnvoll.

Fazit

Rw 38 oder 45 dB auf einem Datenblatt ist keine Prognose für den Alltag, sondern eine Laborzahl unter idealen Bedingungen. Die wirklich entscheidende Grösse heisst R'w und beschreibt das, was nach dem Einbau im Raum ankommt. Wer Räume akustisch zuverlässig plant, denkt vom gewünschten Endergebnis her und wählt das System mit dem nötigen Vorhaltemass. Sager Mobile System-Wand AG plant und setzt solche Lösungen seit 1989 schweizweit um. Und kennt genau die Differenz zwischen Datenblatt und gebauter Realität.

Beratungstermin anfragen