08.05.2026
Fidan Krasniqi
Bei einem Trennbauteil zwischen zwei Räumen existieren laut Norm SIA 181 und EN ISO 12354 nicht ein, sondern dreizehn mögliche Übertragungswege für Schall. Auf dem Datenblatt einer Schiebewand erscheint allerdings nur einer davon, nämlich der direkte Weg durch das Element. Die übrigen zwölf Wege entscheiden im Alltag oft darüber, ob ein Raum wirklich vertraulich ist oder nicht. Hier sind die sieben Schwachstellen, die uns in über 35 Jahren Schweizer Praxis am häufigsten begegnen.
Die untere Dichtleiste muss flächig und vollständig auf einem ebenen Untergrund aufsetzen. In der Realität sind Estriche aber selten exakt eben. Schon eine Welligkeit von zwei oder drei Millimetern reicht, damit die Bodendichtung lokal ihre Wirkung verliert und ein durchgehender Schallkanal entsteht. Bei mobilen Trennwänden mit Druckbalkensystem hängt die akustische Leistung praktisch ausschliesslich von dieser Linie ab. Eine sorgfältige Aufnahme der Bodenkote vor der Montage ist deshalb keine Formalität, sondern Teil der Schallschutzplanung.
In Bürogebäuden mit Hohlraumboden für Kabelführung läuft Schall problemlos unter der Schiebewand hindurch. Selbst eine perfekt abgedichtete Bodenschiene nützt wenig, wenn unter dem Belag ein zusammenhängender Hohlraum von Raum zu Raum durchläuft. Die SIA 181:2020 verlangt, dass die akustische Trennung über die gesamte Höhe und Breite des Trennbauteils geführt wird, also auch unter dem sichtbaren Bodenbelag. Wer hier auf eine Hohlraumabschottung verzichtet, opfert in der Praxis fünf bis zehn Dezibel Bauschalldämmung.

Der obere Anschluss der Schiebewand an die Decke ist die zweite Hauptachse für Lecks. Spalten von wenigen Millimetern, schlecht montierte Sturzprofile oder eine unzureichend abgedichtete Lauflinie wirken akustisch wie ein offenes Lüftungsgitter. Schall braucht keine grossen Öffnungen, sondern lediglich einen durchgehenden Pfad. Hochwertige Systeme wie die Hufcor Schiebewände Typ 100 und Typ 100K, die wir bei Sager verbauen, lösen den Sturz mit ausfahrbaren Druckbalken, die in drei Sekunden eine flächige Anpressung erzeugen. Damit das funktioniert, muss aber auch der bauseitige Sturz selbst dicht und schwer genug sein.
Dies ist vermutlich das am häufigsten unterschätzte Leck überhaupt. Die Schiebewand schliesst sauber an eine abgehängte Akustikdecke an, aber der Hohlraum zwischen Akustikdecke und Rohdecke zieht sich von Raum zu Raum durch. Schall geht oben drüber, einfach und nahezu ungehindert. Die akustische Trennung muss bis zur Rohdecke geführt werden, sonst wird der ganze Aufwand am Element selbst entwertet. Schweizer Akustikbüros und der Verband Schweizerischer Lieferanten von Falt und Schiebewänden VSLFS weisen seit Jahren auf diesen Punkt hin.
Selbst wenn die Schiebewand sauber an eine massive Wand anschliesst, läuft Schall über genau diese flankierende Wand in den Nachbarraum. Diese sogenannte Flankenübertragung ist der Grund, warum eine Wand mit Rw 54 dB im Labor am Bau auf R'w 44 dB fallen kann. Das Bauakustiklabor der EMPA misst diese Effekte routinemässig nach SN EN ISO 10848. Je leichter die flankierende Wand, desto grösser der Verlust. Massive Wände mit hoher Flächenmasse leiten den Schall weniger weiter als leichte Trockenbauwände, was bei der Materialwahl der angrenzenden Bauteile berücksichtigt werden muss.
Eine mobile Schiebewand besteht aus einzelnen Elementen. An jeder vertikalen Stossfuge sitzen Dichtungen, die durch die korrekte Verriegelung in Anpressung gebracht werden. Werden Elemente nicht vollständig zusammengeschoben oder die Druckbalken nicht voll ausgefahren, entsteht über die gesamte Wandhöhe ein feiner, durchgehender Spalt. Bei den Hufcor Systemen genügt eine halbe Hebelumdrehung für die volle Anpressung. Der Fehler liegt hier selten am Produkt, sondern an der Bedienung. Eine kurze Einweisung des Hauswarts oder Eventpersonals löst dieses Leck nachhaltig.
Lüftungsleitungen, Steckdosen, Brandmelder und Kabeltrassen sind klassische Schwachstellen. Eine Lüftungsleitung, die zwei Räume verbindet, ist akustisch ein direkter Tunnel. Steckdosen Rücken an Rücken in derselben Dose sind ebenfalls ein bekannter Fehler. Auch Sprinklerleitungen und EDV Trassen schaffen ungewollte Übertragungswege, oft genau über dem Stahlsturz der Schiebewand. Diese Details sind im Nachhinein kaum zu korrigieren, weshalb die Schweizerische Gesellschaft für Akustik SGA SSA die frühzeitige Einbindung eines Akustikplaners empfiehlt.

Datenblatt und Bauwert klaffen meist nicht wegen des Produkts auseinander, sondern wegen der Schnittstellen darum herum. Eine Schiebewand ist nur so gut wie ihre sechs Anschlussseiten zur restlichen Bausubstanz, plus die Installationen, die durch das Bauteil hindurchlaufen. SIA 181:2020 und SIA 181/1 geben den normativen Rahmen vor, das EMPA Bauakustiklabor liefert geprüfte Messwerte, und ein erfahrener Akustikplaner setzt die Details um. Sager Mobile System Wand AG bringt die Produktseite in dieses Zusammenspiel ein, plant Anschlüsse mit und begleitet das Projekt von der Beratung bis zur Inbetriebnahme.